Mein Stöhn-Baby

Mein Stöhn-Baby

Die ersten Wochen habe ich genoßen, wie mein Hase immer auf meiner Brust in seiner Kuschelkuhle schlief. Doch was ich bisher verschwieg: nachts sah das Ganze etwas anders aus. Mir war schon klar, dass Babys von wenigen Wochen noch nicht wissen, wann Tag und wann Nacht ist, aber dennoch gab es da ein für mich damals unerklärliches Phänomen. Jeden Abend, wenn wir ins Bett gingen und ich den Hasen neben mein Bett ins Babybay legte, fing es an: er stöhnte!
“Also gut”, dachte ich mir “dann stillen wir halt nochmal.” Gesagt getan und er schlief natürlich wieder genüsslich an meiner Brust ein. Doch sobald ich ihn rüber schob, fing das Stöhnen erneut an. Ok, er hatte, wie so viele Babys in den ersten Monaten, ziemlich mit Verdauungsproblemen zu kämpfen. So schob ich das Stöhnen auf die Bauchschmerzen. Und so tat ich, was viele Eltern in der Situation tun. Ich füllte jede Menge Entschäumer wie Sab Simplex und Co. in ihn hinein (Entschuldige Hase!). Natürlich nur mit mäßigem Erfolg. Auch der von uns perfektionierte Fliegergriff und das “Radfahren” halfen nur bedingt gegen die Krämpfe und Blähungen. Wir trugen ihn  sowieso nur, anstatt ihn im Kinderwagen durch die Gegend zu Karren und wir suchten schließlich einen Osteopathen auf. Seine “heilenden Hände” halfen auch am besten gegen Hases Bauchweh, aber das nächtliche Stöhnen blieb. Ich nahm sogar ein Video auf und zeigte es dem Osteopathen mit den Worten “Es sieht aus, als sei er vom Teufel besessen”. Er stöhnte ja nicht einfach nur, sondern schlug um sich und buckelte richtig. Doch auch der Osteopath wusste keinen Rat. Es war so furchtbar, meinen kleinen Hasen nicht helfen zu können!

Irgendwann dachten wir uns, da war der Hase 7 oder 8 Wochen alt, “wenn er tagsüber so wunderbar auf unserer Brust schläft, dann schläft halt jetzt auch nachts auf unserer Brust”. Und siehe da, ab dem Tag, bzw. ab der Nacht war das Stöhnen vorbei. Er schlummerte seelenruhig die halbe Nacht auf meiner, die andere Hälfte der Nacht auf Papas Brust. Klar, das waren alles andere als erholsame Nächte für uns, Mama und Papa, aber was tut man nicht alles für sein Kind. Nach ein paar Wochen ist er mir dann einmal von meiner Brust gerutscht. Erschrocken wachte ich auf und stellte fest, dass er eng an mich gekuschelt ruhig weiter schlief. So kamen wir zum Familienbett ♥

Meine Liebe wurde immer größer und mein Interesse an Babys Verhalten wuchs. Also begann ich, die intensive Zeit mit meinem Baby mehr und mehr zu genießen und las derweil tolle Bücher wie “In Liebe wachsen” von Dr. Carlos Gonzalez. Dieses Buch stärkte meinen Mutterinstinkt und gab mir Sicherheit, dass ich bisher alles richtig machte. Allerdings begriff ich hier auch zum ersten Mal, dass Kinder leider viel zu oft missverstanden werden. Gerade um das Thema Babyschlaf wird so ein Tamtam gemacht, wie das Kind endlich zum schlafen gebracht werden soll und letzlich sind sie – die Kinder – die Leidtragenden.

Rückblickend bin ich mir sicher, dass mein Baby so gestöhnt und gestrampelt hat, weil er einfach unsere Nähe gesucht hat. Das Beistellbett war ihm noch zu weit weg, also schliefen wir den ganzen Winter nah aneinander gekuschelt. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Der Hase ist jetzt fast 1 Jahr alt und schläft selbstverständlich nicht durch. Wir haben immer wieder sehr unruhiger Nächte, wo er sich durchs Bett kugelt, jammert oder strampelt. Nur heute weiß ich, dass ihn die durchbrechenden Zähne plagen oder er die aufregenden Tage verarbeiten muss und geben ihm die Nähe und Sicherheit, die er braucht.

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