Tierheime sind auch keine Lösung!

Tierheime sind auch keine Lösung!

Die letzte Woche begleiteten mich nicht nur furchtbare Rückenschmerzen, sondern auch zwei Berichte in den Medien zum Thema Tierschutz. Zum einen titelte die Zeitung mit den vier großen Buchstaben “Hat PETA 1911 Hunde und Katzen getötet?” und mal gerade 2 Tage später berichtete die selbe Zeitung über einen verunglückten Transporter aus aus der Slowakei, der 113 Hundewelpen nach Deutschland und Belgien bringen wollte. Nun sitzen die Hundebabys zunächst in einem deutschen Tierheim und die Kommentare zu beiden Beiträgen auf der BILD-Facebook Seite überschlugen sich förmlich.

 

Ich kann bei den meisten Kommentaren einfach nur den Kopf schütteln und bin erstaunt, dass den Leuten der Zusammenhang zwischen dem Welpenhandel und Euthanasie im Tierschutz völlig fehlt. Verstehen wir uns nicht falsch: Ich finde es wahrlich nicht toll, wenn Hunde eingeschläfert werden müssen, weil sie kein Zuhause finden. Aber bevor ungewollte Tiere den Rest ihres Lebens in winzigen Käfigen dahin vegetieren müssen, ist die Euthanasie wohl die einzig humane Lösung. Somit stimme ich PETA, auch wenn ich die ein oder andere Strategie der Organisation anzweifle, in diesem Punkt zu: so genannte No-Kill Shelter sind keine Lösung! Amerikanische Tierheime, und vor allem diese besagten No-Kill Shelter, sind in keinster Weise mit hiesigen Tierheimen vergleichbar. Noch nicht! Jetzt mag der ein oder andere vielleicht denken: “Was machen die Tierschützer denn mit dem Geld? Die sollen mit ihren Spenden mehr oder größere Tierheime bauen!” Aber kann das wirklich die Lösung sein? Ich habe schon einmal einen Bericht über  ein rumänisches Tierheim gesehen, in dem über 2.500 Hunden untergebracht waren. Das ist ebenfalls alles andere als ein artgerechtes Hundeleben! Es kann einfach nicht sein, dass Tiere wie Ware behandelt und dann einfach abgeschoben werden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden oder unangenehm geworden sind. Und wir können die Verantwortung auch nicht einfach abschieben. Nach dem Motto „Es gibt doch Tierheime!“ Denn solange munter weiter produziert wird, werden die ungeliebten Tiere im Tierheim auch keine zweite Chance bekommen. Und somit sind auch hier in Deutschland Tierheime nicht die Lösung, um ein massenhaftes Tierleid einzudemmen!

 

Die Kommentare zu dem Welpenhändler-Bericht gingen fast alle in die eine Richtung. “Was sind das für Menschen? Der Fahrer gehört weggesperrt!” und dann wieder “Die Leute, die so einen Welpen zum Dumping-Preis in einer Zoohandlung oder vom Hundehändler kaufen, sind mitschuldig!” Dem letzten Argument gebe ich durchaus Recht. Solange die Nachfrage nach niedlichen Hundewelpen – gerne von angesagte Mode-Rassen wie zur Zeit die Knautschnasen Mops, Bulldogge und Boston Terrier (mal abgesehen von der Qualzucht dieser und ähnlicher Rassen) – da ist, werden dubiose Hundevermehrer auch weiterhin Welpen unter den grausamsten Umständen produzieren.
Mit der Ware Hund lässt sich viel Geld verdienen, was meiner Meinung nach besonders daran liegt, dass sich der Mensch einen Hund ganz nach Gusto erschaffen und aussuchen kann.  Keine andere Spezies auf der Welt ist so vielfältig wie der Hund. Schon allein was sein Äußeres betrifft. Es gibt winzig kleine Hunde, wie z.B. die Chihuahuas, die z.T. weniger als 1kg wiegen. Und dann wiederum gibt es Riesen wie die Deutschen Doggen oder Bernhardiner. Heutzutage gibt es über 400 Hunderassen, die sich  durch Aussehen und Charaktereigenschaften zwar unterscheiden, jedoch immer, bzw. vermeintlich optimal für den Menschen zugeschnitten sind. Das hat schon was von Frankenstein. Ist fast nix anderes wie Konfektionsgrößen bei Kleidung. Ähnlich wie es beim Klamotten-Shopping heißt: “Ich hätte gerne ein blaues T-Shirt mit Aufschrift.” kann es dann beim Hundekauf heißen: “Ich hätte gerne einen kinderlieben, braun-farbenen Labrador.” oder “Ich hätte gerne einen schwarz-weißen Boston-Terrier, weil der gerade so angesagt ist und super zu meinen Styling passt.” Und das Ganze gerne auch günstig, wo wir wieder bei dem Slovakischen Welpentransporter wären.

Aber auch jede noch so kleine Hobbyzucht, wo Hündinnen vielleicht einen Wurf pro Jahr bekommen und die Welpen liebevoll im menschlichen Familienverband aufgezogen werden, trägt meiner Meinung nach zum Hundeelend bei!

 

Immer mehr deutsche Tierheime müssen ein Aufnahmestopp verhängen, weil sie einfach nicht mehr die Kapazitäten besitzen. Es gibt folglich für mich nur eine Lösung: Wenn wir hier in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse wollen, muss der Hundehandel einschließlich “vorbildlicher” Zucht gänzlich eingestellt werden. Sonst werden wir uns auch hier irgendwann damit auseinandersetzen müssen, dass im Tierheim unvermittelbare Hunde eingeschläfert werden, um Platz für weitere überflüssige Tiere machen zu können.

 

This article has 3 comments

  1. ich komme gerne wieder, sehr interesannt.

  2. Verdammt traurig!!! Tendier aber auch zu Ihrer Meinung. Obwohl ich immer denk: Jetzt haben die dem Tier die Chance auf ein potentiell besseres Leben genommen; denn vielleicht wäre 5 Minuten später jemand gekommen und hätte diese Mietz oder dieses Wauzi mit nach Hause genommen. Aber ich weiß, das ist leidergottes etwas utopisch gedacht und gehofft. :( :( :( :( :( :(

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