Petition für ein Ende von JKKSL

Petition für ein Ende von JKKSL

Schluss mit Schlaf“Erziehung“ – Petition für ein Ende von „Jedes Kind kann schlafen lernen“!

Es ist an der Zeit, dass sich was ändert!
Ich bin seit einem Jahr Mama mit Leib und Seele und ich bin heute wie gestern so froh, dass mein Sohn ist, wie er ist. Somit hatte ich die Gelegenheit, mein Gefühl durch tolle Bücher wi
e In Liebe wachsen von Dr. Carlos Gonzaléz (Katalane, was mir ja auch noch besonders gefällt :-)), Menschenkinder und Kinder verstehen – born to be wild von Dr. Herbert Renz-Polster, dem derzeitigen Guru in Sachen Kinderentwicklung, Das Attachement Parenting Buch von William und Martha Sears, Die neue Elternschule von Margot Sunderland (bisher nur zur Hälfte gelesen) zu stärken. Und es gibt noch viele, tolle Bücher, die ich unbedingt lesen will. 

Tja, und dann gibt es da ein Buch, welches ich lesen wollte, um mir endlich nach so vielen negativen Rezensionen ein eigenes Bild zu machen: Jedes Kind kann schlafen lernen. Ja, ich habe es nun gelesen und ja, ich habe mir ein eigenes Bild gemacht. Mein Fazit: Es ist noch viel furchtbarer, als ich es mir vorgestellt habe. Dieses Buch wird als Besteller, ja sogar als Bibel der Erziehungsratgeber betitelt. Einfach nur gruselig! Es sollte lieber Platz für andere, wirklich fortschrittliche Elternliteratur geschaffen werden. Aus diesem Grund:

Hilf mit und überzeuge auch du den GU Verlag, das Buch JKKSL umgehend vom Markt zu nehmen!

Schon allein der Titel ist total irreführend. Jedes Kind KANN schlafen, sofern man es denn lässt und ihm eine artgerechte Umgebung schafft. 

Klar, das Thema Schlaf ist DAS Thema für frischgebackene Eltern und treibt so manch ein Elternteil (oder beide) an den Rand des Wahnsinns. Das liegt aber meiner Meinung nach nicht an den bösen, widerspenstigen Kindern (Kinder sind keine kleinen Monster, die kaum auf der Welt, ihre Eltern tyrannisieren wollen!), wie es uns die Autoren des Pamphlets glauben machen will, sondern vermutlich viel mehr am Mangel an Großfamilien und ähnlichen sozialen Gefügen. Würden heute noch mehrere Generationen unter einem Dach wohnen, könnten zum einen mehrere Familienmitglieder das Baby umsorgen und zum anderen, und diesen Aspekt halte ich für deutlich wichtiger, wüssten junge Eltern, was auf sie zukommt, da sie bereits selbst häufig in die Babypflege anderer Familienmitglieder eingebunden waren. Tja, so ist es aber heute nicht mehr. Wir freuen uns – im besten Fall als Paar – auf unseren Nachwuchs, hibbeln 40 Wochen +/- auf den Tag hin, wo wir unser Würmchen endlich live anschauen und in die Arme schließen können… dann ist es endlich da, das kleine Wunder, und nach einigen Tagen des absoluten Glücksgefühls kommt die Ernüchterung. Das kleine Würmchen schläft nicht seelenruhig in seinem hübschen Bettchen und erst recht nicht nachts. Und nicht nur der mangelnde Schlaf nagt am Selbstbewusstsein der frischen Eltern, sondern auch noch dieses blöde Gefühl, irgendwas falsch zu machen. Zu versagen. Und genau hier greifen Kast-Zahn und Morgenroth an. Sie lassen die Eltern glauben, Sie seien verantwortlich für das Schlafverhalten des Babys. Völlig ungeachtet der kindlichen Bedürfnisse (gemeinsames Schlafen, Stillen nach Bedarf, Geborgenheit und Nähe) suggerieren Sie auf ewig vielen Seiten, bis sie dann „zur Sache“ kommen, dass ihr Baby von Geburt an danach strebt, die Macht an sich zu reißen und den Eltern absichtlich den Schlaf raubt. Diese Taktik ist durchaus clever. Denn ohne diese Suggestion wären viele Eltern wohl nicht bereit, das menschenverachtende Schlafprogramm durchzuziehen. Mutter Natur hat es nämlich eigentlich so eingerichtet, dass Mütter (und Väter) zu ihrem Kind eilen, sobald es weint. 

Nachdem das Buch Jedes Kind kann schlafen lernen (kurz: JKKSL) nicht mehr vom „Rand“ Verlag Oberste Brink, sondern seit geraumer Zeit vom renommierten Ratgeberverlag GU (Gräfe und Unzer) herausgebracht wird, hat das Buch einen gefährlichen Mainstream Anstrich bekommen. Diese Entwicklung finde ich sehr bedenklich. Das in diesem Titel aufgeführte Schlafprogramm basiert auf dem Werk von Dr. Richard Ferber aus den USA, der die Methode des „kontrollierten Schreien lassen“ nach einem strickten Zeitplan für Eltern entwickelt hat, die mit dem Schlafverhalten ihres Kindes nicht mehr zurechtkamen und kurz vor dem Zusammenbruch standen oder drohten, ihrem Kind einen körperlichen Schaden zuzufügen. Und es ist, laut Ferber, für Kinder ab 1 Jahr  „zugelassen“.
Das Buch JKKSL richtet sich allerdings an jedermann. Ohne ärztliche Betreuung sollen Eltern die Dressur an ihrem Kind vornehmen und sie ahnen vermutlich nicht mal, was sie bei ihrem Kind anrichten können. Denn Sie meinen ja, bloß im Sinne ihres Kindes zu handeln. 
Desweiteren darf gerne auch schon mit weitaus jüngeren Babys die Schlaferziehung begonnen werden. Hier einige Auszüge:

Es (das Baby) sollte 5-7 Wochen alt und gesund sein und mindestens 5kg wiegen, dann können Sie folgende Schritte beherzigen:

Die Zeit bis zur ersten Morgenmahlzeit kann vom Zeitpunkt der späten Abendmahlzeit an langsam ausgedehnt werden. Ihr Kind kommt jetzt wahrscheinlich schon bis 5 oder 6 Uhr morgens ohne Nahrung aus.

Es folgen Tipps, wie Sie ihm (dem Baby) dabei helfen können. 3-4 Tage lang kann es dauern, bis der Erfolg sichtbar wird.
– Am günstigsten ist, wenn der Vater den „Nachtdienst“ übernimmt…
– Wenn ihr Baby wach wird, sollte es nicht sofort gestillt werden. Versuchen Sie ihr Baby mindestens eine Stunde „hinzuhalten“…

…Bei Säuglingen unter 6 Monaten spielt die biologische Reifung und Entwicklung noch eine große Rolle. Deshalb lassen sich manche von ihnen noch nicht in ein festes Zeitschema zwängen…

…(ab 6 Monate) Wenn sich Ihr Baby bisher noch nicht an regelmäßige Schlaf- und Wachzeiten gewöhnt hat, brauchen Sie nun auf keinen Fall länger abwarten. Sie können sicher sein: auch bei Ihrem Baby ist die biologische Reifung soweit abgeschlossen, dass es nachts nichts mehr zu trinken braucht und 11 Stunden hintereinander schlafen kann…

…Wichtig ist, dass Sie das Abendritual mit einem deutlichen Schlusspunkt beenden…spürt es Ihre Unsicherheit und seine eigene Macht. Es spürt „Ich kann die Regeln bestimmen. Ich brauche nur zu weinen – und Mami tut, was ich will!“…

…(zum Schlafen bei den Eltern) Das Kind kommt nachts ins Elternbett. Dort wird es zu eng. Der Vater zieht aus…ein kleines Kind hat es mit seiner Willenskraft geschafft, seine erwachsenen Eltern an den Rand zu drängen un ihnen zu zeigen, wer in der Familie die Hauptrolle spielt…Ihr Kind ist damit überfordert. Es spürt Macht, wenn es sich nachts zwischen die Eltern legt und dadurch trennt….
…(Kapitel 4, Schlafprogramm) Einige Kinder neigen dazu, zu erbrechen. Die Eltern können es meist vorhersehen, ob das Erbrechen auch durch heftiges Schreien ausgelöst werden kann…Die Eltern sollten dann alles sauber machen und mit dem Behandlungsprogramm fortfahren, ohne das Erbrechen zu „belohnen“…

Ich habe hier eine tolle und ausführliche Auführung im Netz gefunden, dem ich kaum noch etwas hinzufügen brauch.

Hier auch noch ein paar sehr gute Links:
Experten-Statements zu Schlaftrainings
Hinter den Kulissen der Schlaflernprogramme
Warum Babys nicht durchschlafen
Schlafprobleme aus Sicht der Evolution

So, und nun genug gelesen. Jetzt wird gehandelt. Chakka :-)

Nimm an der Petition teil. Für die Kinder!

 

***

 

This article has 6 comments

  1. Hashtag #jkksl Kein Kind muss schlafen lernen! Von Natur aus kann jedes Kind schlafen! Wenn Kinder schreien dann wollen sie ganz bestimmt nicht schlafen, dann haben sie ein Bedürfnis nach Nähe und wer Eltern davon abhält ihren Kindern dieses Bedürfnis nach Nähe zu gewähren, redet Mist und hat nichts verstanden. 
    Schöne, dass sie die Initiative ergriffen habe. ich habe drei Kinder und kann nur beipflichten, Schlafen war nie ein Thema und Schreien war ok und mit Nähe immer zu „handeln“. dafür brauchten wir auch nie einen Berater. 

  2. Hallo! Heute habe ich in der FAZ von Ihrer Seite gelesen, und ich teile Ihre Meinung wirklich zu ‚Jedes Kind kann schlafen lernen‘ wirklich zu hundert Prozent. Und ich bin keine typische ‚Ökomutter‘ wie im Artikel die Mütter genannt werden, die so denken. Ich habe mal in einer Kinderkrippe gearbeitet, und es war so schrecklich, das ich jetzt alle meine Kinder erst mit drei Jahren in die Kita gebe/gegeben habe. Aber das wollen die Mütter, die ihre Kinder nur als ‚Nebenprodukt‘ bekommen nicht hören. Kinder sollen sich anpassen, damit sie im Leben der vielbeschäftigten Mütter nicht stören. Und dazu braucht man dann so Bücher wie ‚JKKSL‘ als Rechtfertigung, weil sonst könnte man ja glatt ein schlechtes Gewissen bekommen wenn das winzige Baby brüllt als hätte es Todesangst! 

  3. Im Internet gefunden: Zitat:

    Ich mag die Methode des “kontrollierten” alleine weinen Lassens – der Ferber-Methode – nicht. (…) Trotz allem wird die Methode weiter propagiert. Sie verspricht eine schnelle Lösung für ein Problem, das offenbar viele Eltern haben und da so viele Leute das auch gemacht haben und erzählen, ihr Kind hätte keinen Schaden davon getragen, wird die Sache zum Selbstläufer. Wer “es” getan hat wird sich immer damit rechtfertigen, dass “es” funktioniert hat und beim Kind kein kurzfristig wahrnehmbarer psychischer Schaden feststellbar sei. “Und es liebt mich immer noch so stark wie vorher”. Was sollen denn Eltern sonst sagen, die sich aus Unwissen oder reiner Verzweiflung heraus zu dieser Methode entschlossen haben?!
    Es gibt bereits genug Hexenjagden. Es braucht keine weitere! Und auch ein Verbot dieses Buches oder der Ferber-Methode würde das Grundproblem heutiger Eltern nicht lösen: Die Isolation, die Tatsache, dass die meisten während den anstrengenden ersten Lebensmonaten völlig allein auf sich selber gestellt sind, das Fehlen eines Stammes. Diese Problematik verschwindet nicht einfach mit dem Buch!
    Statt auf verzweifelte Eltern schlafloser Babys und Kleinkinder herumzuhacken wäre es meiner Meinung nach sinnvoller und zielführender, ihnen Hilfestellung zu geben. Sei es im Internet mit Ermutigung und Aufmunterung, dem Hinweis auf andere Ratgeber (…).
    Und daneben natürlich die praktische, tatkräftige Mithilfe. Es ist immer einfach, andere zu kritisieren. Aber der übermüdeten Nachbarin mit Neugeborenen anzubieten, mit diesem zwei Stunden spazieren zu gehen damit die Mutter mal ein Bad nehmen oder sich in Ruhe aufs Ohr hauen kann, ist auf Dauer nutzbringender!
    Aufklärung tut dringend Not, aber bitte nützliche, positive Aufklärung: Was können Eltern stattdessen ändern, das der ganzen Familie zu mehr Schlaf verhilft? Und was können wir selber konkret tun, um übermüdeten Eltern zu helfen?“
    http://mamahatjetztkeinezeit.wordpress.com/2013/09/19/jede-mutter-kann-schlafen-lernen-wenn-man-sie-nicht-hangen-lasst/

    Nachsatz: Selbst wenn ich persönlich nicht glaube, dass das „kontrollierte“ Schreienlassen immer nur mit einer totalen Notsituation zu erklären ist (es hat, leider, auch oft mit der allgemeinen gesellschaftlichen Haltung zum Kind zu tun …): Die Grundidee ist gut. Es könnte eine zentrale Website geben, die Hilfsangebote nennt, Bücher und Zeitschriftenartikel empfiehlt bzw. mit einschlägigen Seiten verlinkt (wie http://www.ferbern.de, usw.), Tipps gibt und übernächtigte Eltern daran erinnert, dass ihr Baby sie liebt, sie nicht ärgern will und sie/ihre Nähe unbedingt braucht, … sozusagen als Gegenangebot zum kritisierten Ratgeber.

    • Hallo,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Mit dieser Petition möchte ich weder zu einer Hexenjagd aufrufen, noch das Buch auf den Index setzen. Ziel der Petition ist Aufklärung und dafür braucht es manchmal einen Paukenschlag 😉
      Hierzu habe ich auch schon etwas in einem anderen Beitrag geschrieben:http://www.rabeneltern.org/index.php/wissenswertes/schlafen-wissenswertes/1220-10-gruende-mit-dem-baby-zusammen-im-familienbett-zu-schlafen

      Letzteres sehe ich übrigens genauso und ich arbeite derzeit an einem Projekt, welches umfangreich über Baby- und Kidnerschlaf aufklärt. Deine Anregung gibt mir Antrieb, hier noch ein bisschen auf die Tube zu drücken, um schnellstmöglich online zu gehen. Vielen Dank dafür.

      • Schön, wenn so ein Projekt schon in Vorbereitung ist. Ich bin übrigens auch nicht der Meinung, dass die Petition eine Hexenjagd darstellt, sie ist hart, das ja!; aber wer einen Bestseller schreibt und veröffentlicht, der den Umgang mit hilflosen Menschen betrifft, muss auch deutliche Kritik einstecken können.

        Im Grunde geht es ja auch nicht nur konkret ums Schreienlassen und die dahinter stehende aus meiner Sicht oft merkwürdige Haltung der Eltern (Problem Nr. 1), das Thema hat mit der gesamten gesellschaftlichen Situation (Problem Nr. 2) zu tun, was das Zitat aus dem Web oben m. E. gut zum Ausdruck bringt (z.B.: keine Großfamilie mehr vorhanden, junge Eltern sind oft auf sich gestellt).

        Familienleben wird heutzutage leider einseitig 1. aus der Perspektive des Erwachsenen, 2. unter dem Gesichtspunkt Emanzipation der Frau (das Baby als Job-Verhinderer und Karriere-Killer) und 3. von den Anforderungen der Wirtschaft her definiert, nicht aus der Perspektive des Kindes. Wenn in der Politik von Kindern gesprochen wird, müssen diese (in Kitas „professionell“) „gebildet“ werden, möglichst effektiv durch Ganztags-Schule und Uni geschleust werden. Familien mit zeitweise blank liegenden Nerven sind nicht wirklich vorgesehen.

        Man sollte sich z.B. fragen, warum das Betreuungsgeld gerade von den sich als modern definierenden Parteien pauschal als Rückschritt und Rückkehr der Hausfrauenehe beschimpft wird. Dabei ist es nur eine Möglichkeit, dass Familien sich länger um ihre Kleinkinder kümmern können, ohne dass damit gesagt ist, dass die Frauen, meist sind es ja die Frauen, nicht später einen Beruf ausüben (wollen). Ganz konkret: Schlaflose Nächte mit Kleinkindern sind doch zweifellos besonders katastrophal, wenn Mama u n d Papa am nächsten Morgen um halb sieben aufstehen müssen, zum Job eilen, das Kind in die Kita bringen (wo es beim Abschied vielleicht, müde, auch noch einmal weint), usw. Deshalb argumentieren ja auch einige der Befürworter des kontrollierten Schreienlassens schlicht damit, ja nun, sie müssten schließlich am nächsten Tag Geld verdienen …! Wogegen man ziemlich schlecht argumentieren kann. Wer die möglichst schnelle Rückkehr der Mütter (mit regulärer Arbeitszeit) ins Arbeitsleben als politisches Ideal für jede Familie fordert, scheint modern zu sein, nimmt aber leider gestresste Kleinkinder und ungeduldige Eltern, die sich evtl. ihr Einfühlungsvermögen abtrainieren oder dieses erst gar nicht hinreichend entwickeln, als Nebeneffekt billigend in Kauf, meine ich.

        Also viel Erfolg für Dein Projekt!

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