Wieso Schluss mit JKKSL und was ist eigentlich Meinungsfreiheit?

Wieso Schluss mit JKKSL und was ist eigentlich Meinungsfreiheit?

Vor nicht einmal 4 Wochen habe ich die Petition für ein Ende von „Jedes Kind kann schlafen lernen ins Leben gerufen und die Ereignisse überschlagen sich regelrecht. Über 4.400 Menschen haben bereits ihre virtuelle Unterschrift unter die Petition gesetzt, über 700 (ich mag mal behaupten überwiegend) Eltern folgen der Schluss mit JKKSL Facebook-Seite und im Netz und den Medien wird rege über die Kampagne diskutiert.

Meine Güte, da hab ich ja einen Stein ins Rollen (nicht geworfen, wohl bemerkt!) gebracht… Augenscheinlich habe ich mit der Aktion in ein Wespennest gestochen und manch einer sieht mich gar als Bedrohung. Wie konnte ich es auch wagen, meine Stimme für Kinder zu erheben? Ich böses, böses Mädchen :-)

Inhaltliche Diskussionenund genau das war und ist der Hauptgrund für die Kampagne – sind super und auch hier stehen (natürlich) unterschiedliche Meinungen voreinander. Ich kann schon verstehen, dass sich diejenigen auf den Schlips getreten fühlen, die die Praktiken des Buches beherzigt, umgesetzt und weiterempfohlen haben. Ist ja auch doof, wenn man nun aufgezeigt bekommt, dass das wohlmöglich doch nicht das Beste fürs Kind war, wie man doch eigentlich dachte. Aber die Kampagne ist keinesfalls ein Angriff gegen diese Eltern!  Das Kind ist ja auch noch nicht in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen, und auch wenn es schwer fällt, Fehlhandlungen einzugestehen, ist es doch noch schlimmer, diese zu verleugnen. Das Gute ist: Mit dem Wissen, welches wir mit der Aktion vermitteln wollen, ist es möglich, frühere Fehler – die auf der Grundlage basierten, im Sinne des Kindes zu handeln  – wieder auszubügeln.

Einigen scheint jedoch offensichtlich nicht klar zu sein, um was es bei der Petition wirklich geht. Selbst Leute, die sich weder mit dem Buch, noch mit den Inhalten auseinandergesetzt haben, erheben ihre „Das ist Zensur“ Fahnen und pochen auf Meinungsfreiheit.

Das Ganze erinnert mich irgendwie an die Veggieday-Depatte, wo sich auch einige in ihrer…(ja was denn eigentlich) bedroht fühlten, als würde die Forderung nach einem einheitlichen vegetarischen Wochentag in öffentlichen Kantinen und Restaurants bedeutet, dass jeder, der sich an diesem Tag doch ein Schnitzel oder eine Currywurst zu Gemüte führt, strafrechtlich verfolgt wird. Der Hintergrund, nämlich dass der derzeitige horrende Fleischkonsum nicht nur den Tieren in den Fabriken, sondern auch der Umwelt und der Gesundheit der Konsumenten schadet, interessierte dabei nicht. Hauptsache man hat mal schön gestänkert.

Ich erkläre dann mal das Wieso, Weshalb, Warum der Kampagne:

Der Ratgeber Jedes Kind kann schlafen lernen kurz JKKSL – in dem übrigens nicht allein eine Meinung vertreten, sondern, wie die Bezeichnung „Ratgeber“ schon sagt, zu Handlungsweisen geraten wird – hat sich in den vergangenen 18 Jahren zu einem Synonym für Schlaflernprogramme gemausert. Zwar ist in Fachkreisen auch das Wort Ferbern – nach dem Erfinder des Schlaflernprogramms Dr. Richard Ferber – geläufig, aber bei uns in Deutschland ist der Buchtitel weitaus bekannter. Ich habe beispielsweise selten „Ich habe mein Kind erfolgreich geferbt.“, aber dafür leider schon sehr oft „Ich habe ‚Jedes Kind kann schlafen lernen‘ angewandt und es hat funktioniert.“ gehört.
Es gibt heute zahlreiche Belege, dass Eingriffe in die natürliche Entwicklung mittels Konditionierung durch dosierte Frustration nicht nur die Bedürfnisse des Kindes ignorieren, sondern zu erheblichen Stress – nicht allein beim Kind, sondern auch bei den Eltern – führt, der sich ebenfalls auf die psychische Entwicklung bis ins Erwachsenenalter auswirkt.
Aus diesem Grund sollte der GU Verlag als renommiertes Ratgeber(NICHT Fachbuch!)Verlagshaus seiner Verantwortung bewusst werden und ein Zeichen setzen, indem es JKKSL und die darin enthaltenen Handlungsanweisungen nicht weiter für Jedermann/frau anbietet.
Im Zuge dessen möchten wir – und ich denke ich darf dank der beachtlichen Anzahl an Unterstützern durchaus in der Wir-Form sprechen – die Menschen zum Nachdenken anregen, sodass das in dem Buch propagierte Bild eines Babys/Kleinkindes und der Umgang mit eben diesem überdacht wird.
Denn: Kinder sind unsere Zukunft, nicht unsere Gegner, die es zu bezwingen und zu bekämpfen gilt. Wir wünschen uns doch schließlich alle, dass unsere Kinder zu selbstständigen, gesunden und couragierten Erwachsenen heranreifen. Das ist aber nur mit einer sicheren Bindung im frühen Kindesalter möglich, und diese sichere Bindung wird durch die Ratschläge in JKKSL erschwert, beeinträchtigt, behindert oder gar verhindert.

Von Meinungsfreiheit, Hexenjagd und Zensur

Wenn auch der Titel der Petition provokant sein mag, ist sie dennoch ein demokratisches Mittel, um eine Meinung zu äußern und Kritik zu üben. Niemand wird genötigt oder gar gezwungen, eine virtuelle Unterschrift unter die Petition zu setzen. Auch kann weder von Zensur noch einem Buchverbot die Rede sein, da sich die Petition nicht an den Staat, sondern an einen Verlag richtet. Demnach würde jeder Verlag, der ein Buch z.B. wie in diesem Fall aufgrund veralteter Aussagen oder aus welchem Grund auch immer, aus dem Programm nimmt, Zensur betreiben. Das ist doch Mumpitz.

Weiter wird der Verlag weder angepöbelt, noch angegriffen und die Autoren des Buches werden in der Petition noch nicht einmal namentlich erwähnt, weshalb in diesem Zusammenhang wohl auch kaum von einer Hexenjagd gesprochen werden kann. Man mag es vielleicht kaum glauben, ich stehe bisher sogar in einem freundlichen Austausch sowohl mit dem Verlag als auch mit der Autorin des Buches JKKSL.

Die Willkür, mit der für Meinungsfreiheit geworben wird, ist wirklich erstaunlich. Es wird darauf gepocht, dass Autoren ihre Meinung frei äußern dürfen – dürfen sie auch, spricht ihnen niemand ab – Mütter (und Väter) wie ich dürfen ihre Meinung zu eben dieser Autorenmeinung aber anscheinend nicht äußern, wiederum dürfen dann aber natürlich Kommentatoren ihre freie Meinung zu der kritischen Meinung der Eltern über die Meinung von Autoren äußern und hier auch gerne Mütter (wie mich) in ihrer Persönlichkeit angreifen. Hä? Nichts verstanden? Ich auch nicht, wenn man sich einmal die Definition von Meinungsfreiheit vor Augen führt:

>>Die Meinungsfreiheit, genauer Meinungsäußerungsfreiheit, auch Redefreiheit, ist das gewährleistete subjektive Recht auf freie Rede sowie freie Äußerung und (öffentliche) Verbreitung einer Meinung in Wort, Schrift und Bild sowie allen weiteren verfügbaren Übertragungsmitteln.<< (Quelle: Wikipedia)

Dieses Recht auf freie Meinungsäußerung können also ALLE Menschen – auch ich und die zahlreichen Unterstützer der Kampagne – für sich beanspruchen, egal, ob er/sie einen Blog betreibt, eine Petition startet, eine virtuelle Unterschrift drunter setzt oder einer Facebook-Seite folgt.

Klar habe ich mich schon gefragt, warum es in den vergangenen Jahren, seitdem es das Buch gibt, zwar viele Kritiker gab, aber noch nie eine/r auf die Idee eines Zusammenschlusses – und genau das stellt sowohl die Petition als auch die Facebook-Seite dar – gekommen ist. Vielleicht war es die Angst vor öffentlichen Auseinandersetzungen oder die früher nicht oder kaum vorhandenen Mittel. Vermutlich bin ich ob der heutigen Möglichkeiten des Internets einfach nur jemand anderes zuvor gekommen. Sei’s drum, es geht mir schließlich nicht um meine persönliche Profilierung, ich sehe mich einfach nur als ein Teil einer stetig wachsenden Gemeinschaft von Eltern, die sich für einen liebevollen Umgang mit Babys und Kindern engagieren wollen. Und wenn mein Name nun als Synonym für „einen hormongesteuerten Mob“ (Zitat FAZ, Matthias Hannemann) genutzt wird: Bitteschön! Ich halte es dann mal (stellvertretend für die Gemeinschaft) wie Mahatma Gandhi: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

Abschließend sollten sich all diejenigen, die am lautesten gegen „Zensur“ und für „Meinungsfreiheit“ schreien und auf diese Art (und mit Beschimpfungen a la „Sie sollten sich schämen!“, „Wehe, wenn sie losgelassen“, „schändlich“ oder „dämlich“) mich und die Unterstützer der Petition mundtot machen wollen, mal schön ans eigene Näschen fassen und in ihrer viel gepriesenen Toleranz üben.

So, und damit wir uns jetzt wieder fein auf die Sache an sich konzentrieren können, gebe ich hier gerne noch einen kleinen Blick in die Glaskugel:

In Folge werden hier Experten-Statements zu den Inhalten von JKKSL zu Wort kommen, wir werden detailliert Kernaussagen des Buches bearbeiten, Widersprüche aufdecken, Belege für die Schädlichkeit von Schlafprogrammen liefern und uns weiterhin dafür einsetzen, dass diese veralten Praktiken bald der Vergangenheit angehören.

 

„Jede Generation braucht eine neue Revolution.“ – Thomas Jefferson


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